Die Internetportale des GD Holz

Mit einem Klick zum richtigen Thema

1. Wie Holz quillt und schwindet

Die Quell- und Schwindmaße von Holz sind in den drei holzanatomischen Richtungen, in Faserrichtung (=Längsrichtung, =longitudinal), in Holzstrahlrichtung (=radial) und in Jahrringrichtung (=tangential) sehr unterschiedlich und verhalten sich etwa wie 1:10:17.


Bild 4-2: Querschnittsänderungen des Holzes beim Schwinden

Bild 4-2: Querschnittsänderungen des Holzes beim Schwinden

Die Schwindung in Längsrichtung ist ganz gering. In Holzstrahlrichtung ist sie jedoch 10-20mal stärker als in Längsrichtung und in Jahrringrichtung sogar 15-30 mal. Wegen der unterschiedlichen Schwindung in Holzstrahlrichtung und in Jahrringrichtung verformen sich die im Frischzustand eingeschnittenen Holzquerschnitte beim Schwinden. Wie das Holz bei unterschiedlichem Jahrringverlauf im jeweiligen Querschnitt schwindet und sich verändert, zeigt Bild 4-2.


Die verschiedenen Holzarten haben ein unterschiedliches Quell- und Schwindverhalten bei gleichen Umwelteinflüssen. So quillt Eiche in Jahrringrichung und in Holzstrahlrichtung weniger als Buche. Die Eiche hat demnach das größere Stehvermögen.

 

Um Angaben über das Quell- und Schwindverhalten von Holz in seinen verschiedenen Hauprichtungen machen zu können, gibt es verschiedene Maße.

 

Die Zahlen in Bild 4-3 geben die maximalen Schwindmaße in Prozenten für verschiedene Holzarten an. Diese Werte sind leicht zu ermitteln, weil sie die Schwindung vom nassen Zustand des Holzes (über Fasersättigung) bis zu seinem darrtrockenen Zustand , also die maximale Holzschwindung, anzeigen.


Bild 4-3: Maximale Schwindmaße in Prozent für verschiedene Holzarten

Bild 4-3: Maximale Schwindmaße in Prozent für verschiedene Holzarten


Das maximale Schwindmaß ist für den Praktiker bedeutungslos, da er in der Praxis nichts mit

diesen maximalen Holzfeuchteänderungen zu tun hat. (Das absolute Schwindmaß wird z. B. zur

Beschreibung von Holzarteneigenschaften in Tabellen benutzt.)

 

Den Praktiker interessiert vielmehr, wie sich Holzfeuchteänderungen, die durch Klimaschwankungen entstehen, auf das Quell- und Schwindverhalten des Holzes auswirken.

Darüber gibt das differentielle Schwindmaß Auskunft.

 

Das differentielle Schwindmaß gibt an, um wieviel Prozent das Holz in seinen Hauptrichtungen

jeweils schwindet, wenn sich die Holzfeuchte um 1 Prozent ändert (Bild 4-3).

Die Werte in Bild 4-3 und Bild 4-4 zeigen deutlich, daß die longitudinalen

Abmessungsänderungen des Holzes beim Schwinden (als auch Quellen) sehr gering, die

tangentialen am stärksten sind.

 

Holzart

tangential

radial

longitudinal

Fichte

0,33

0,16

0,01

Kiefer

0,29

0.17

0,01

Eiche

0,35

0,20

0,01

Buche

0,45

0,22

0,013

 

 

 

Bild 4-4: Differentielle Schwindmaße in % je 1% Holzfeuchteänderung für verschiedene Holzarten

 

Bei europäischen Nadelhölzern wird in der Praxis mit einem einheitlichen spezifischen Schwindmaß von 0,24% als Mittelwert aus tangentialer und radialer Schwindung gerechnet, da der tatsächliche Jahrringverlauf in späteren Holzquerschnitten meist nicht vorhersehbar ist.

 

Mit Hilfe des differentiellen Schwindmaßes kann man z. B. die Schwindung von massiven Fußbodendielen berechnen, die im Innenbereich verlegt werden sollen.

 

In den folgenden Beispielen werden praxisrelevante Fragen zum Quellen und Schwinden rechnerisch beantwortet. Die Beispielrechnungen können exemplarisch sein, wenn es darum geht, präzise Antworten für Fragen bzw. Reklamationen aus der Praxis zu finden.