Internes EU-Papier verrät Grund für die Verschiebung der EUDR
Die EU-Kommission hat Ende 2025 die Verschiebung der EUDR aufgrund von IT-Problemen
vorgeschlagen. Aus einem kürzlich bekannt gewordenen Dokument geht nun hervor, dass die EU die voraussichtliche Belastung für ihre IT-Systeme um den Faktor 150 unterschätzt hat.
Um die EUDR zu erfüllen, muss für alle relevanten Erzeugnisse, die zum ersten Mal auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden, eine sog. Sorgfaltserklärung (SE) in einem IT-System der EU (EU-Informationssystem) abgegeben werden. Das Unternehmen, das die SE abgibt, erhält dann eine Referenznummer, die es an seine Kunden weitergeben muss. Die ursprüngliche Version der EUDR sah vor, dass diese Nummern dann in der kompletten Lieferkette weitergegeben werden müssen. Große Unternehmen in der Lieferkette waren zudem verpflichtet, ihre Lieferanten zu überprüfen und basierend auf den erhaltenen Referenznummern eine neue SE abzugeben. In der Theorie der Verantwortlichen in der EU hörte sich das simpel an, in der Praxis stellte diese Anforderung die Holzbranche aber vor enorme Probleme. Da in der Regel nicht rückverfolgbar ist, welche Nummer zu welchem Produkt gehört, hätten riesige Mengen an Referenznummern weitergegeben werden müssen. Zudem wäre über die Nummernweitergabe der Lieferantenschutz gefährdet gewesen.
Quasi als Notwehr
hat der GD Holz deshalb im Sommer 2025 eine Software entwickelt, mit der für jeden einzelnen Verkaufsvorgang automatisch eine neue Nummer generiert worden wäre, unter Referenzierung von potenziell tausenden Referenznummern. Dadurch hätte allein der deutsche Holzhandel jährlich mehrere Millionen an (völlig sinnfreien) Sorgfaltserklärungen produziert. Wir haben dieses Vorhaben natürlich an das Bundeslandwirtschaftsministerium sowie an die EU-Kommission kommuniziert. Und anscheinend war der GD Holz mit diesem Plan nicht allein: In einem im August 2025 verfassten internen Schreiben rechnet die EU-Kommission damit, dass die Belastung des EU-Informationssystems um das 150-fache unterschätzt wurde. Folgende Zahlen werden genannt:
- 15 Milliarden Sorgfaltserklärungen pro Jahr (41 Millionen pro Tag)
- 750 Milliarden Zugriffe auf das EU-Informationssystem pro Jahr
- 150 Terabyte an Daten, die jährlich gespeichert werden müssen (auf die zehnjährige Speicherdauer gesehen ergäbe das über acht Petabyte an Daten)
Die Kommission befürchtete daher den kompletten Zusammenbruch des Informationssystems. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf den Import in die und den Handel innerhalb der EU. Insbesondere wird in dem Schreiben befürchtet, dass die EU-Kommission so massiv an Ansehen einbüßen könnte.
Der Rest ist Geschichte: Um ihre IT-Probleme zu lösen, musste die Kommission den Text der EUDR erneut für Verhandlungen öffnen. Die einfache Lösung der Kommission war, nachgelagerten Unternehmen in der Lieferkette die Möglichkeit zu nehmen, selbst Sorgfaltserklärungen abzugeben. Für Händler wäre das katastrophal gewesen: Man hätte Unmengen an Nummern weitergeben müssen, ohne diese zusammenfassen zu können. In der Zwischenzeit hatte aber auch die intensive Lobbyarbeit des GD Holz und anderer betroffener Verbände gefruchtet.
Sowohl das Bundeslandwirtschaftsministerium als auch das EU-Parlament konnten überzeugt werden, dass hier eine praktikable Lösung her muss. Letztendlich konnte man sich dann in Brüssel darauf einigen, dass nur noch Importeure und Waldbesitzer Prüfungen durchführen und Erklärungen abgeben müssen. Der Reste der Lieferkette wurde weitgehend von den Verpflichtungen der EUDR befreit.
Der GD Holz ist erfreut über die erzielten Vereinfachungen, setzt sich aber weiterhin dafür ein, die EUDR weiter zu verschlanken, und insbesondere auch Importeure zu entlasten. Unsere aktuellen Forderungen haben wir bereits an alle relevanten Entscheidungsträger kommuniziert. Nun warten wir auf die für Ende April angekündigte Veröffentlichung weiterer Vereinfachungsvorschläge durch die Kommission. Sobald es hierzu Neuigkeiten gibt, werden wir Sie entsprechend informieren. (fk)

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